Donnerstag, den 05. Mai 2016 um 08:52 Uhr

06.05. - Welt-Anti-Diät-Tag

Verfasst von  Redaktion

Am 6. Mai ist Welt-Anti-Diät-Tag. Dieser Tag wurde 1992 ins Leben gerufen und war noch nie aktueller als heute. In Zeiten der oberflächlichen Kontaktbörsen à la "Tinder" ist das äußere Erscheinungsbild mehr denn je in den Fokus geraten, Essstörungen nehmen zu. Ein Fünftel aller 11-17-Jährigen in Deutschland sind davon betroffen. Experten beschreiben Betroffene als sozial unauffällig, sogar eine idealtypische Magersuchtfamilie wurde ausgemacht.

Tatsächlich gehören Anorexie und Bulimie zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Seit Beginn der neunziger Jahre hat die Anzahl der erkrankten Mädchen und jungen Frauen in den Industrienationen stark zugenommen. Immer öfter sind auch junge Männer betroffen. Nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts liegt bei etwa einem Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen in Deutschland der Verdacht auf eine Essstörung vor. Bei einem Drittel der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren gibt es Anzeichen einer Essstörung, bei den Jungen sind es 13,5 Prozent. In deutschen Krankenhäusern wurden im Jahr 2012 rund 7.000 Fälle diagnostiziert. Jeder hundertste Patient hungerte sich zu Tode.

 

Krankheitsbilder wie Bulimie oder Anorexie sind sehr komplex. Vielen Betroffenen lassen sich bestimmte  Eigenschaften zuschreiben: Starke Impulskontrolle, Perfektionszwang, ausgeprägte Leistungsorientiertheit und hohe Selbstdisziplin finden sich besonders häufig unter Magersüchtigen. Bei Schülern sind die Schulleistungen fast immer überdurchschnittlich, sie sind sozial unauffällig und sehr angepasst. Es wird sogar eine idealtypische Magersuchtfamilie beschrieben: Sie gilt als sehr harmoniebedacht. Streit wird vermieden. Die Familie grenzt sich von der Außenwelt ab. Eltern neigen zu überfürsorglichen, protektivem Verhalten und hindern ihre Kinder eher daran, autonom zu werden. Die idealtypische Magersuchtfamilie ist pflichtbewusst und hat hohe moralische Ansprüche. Die Familienmitglieder werden in ihrem sozialen Umfeld oft als tüchtig und strebsam wahrgenommen.

 

Es ist sicher trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung, wenn die junge Autorin Laura Pape, ehemals selbst magersüchtig, pünktlich zum Finale der Castingshow Germany's Next Topmodel am kommenden Donnerstag eine Onlinepetition gegen Magerwahn an Heidi Klum adressiert. Mehr als 16.000 Menschen haben Papes Petition unterschrieben. "Ich sage nicht, dass Heidi Klum Mädchen in die Magersucht treibt", sagt die 20-Jährige, die gerade das Buch Lebenshungrig – mein Weg aus der Magersucht veröffentlicht hat. Allerdings könne, so Pape, die Sendung einen weiter in die Sucht reißen, falls man schon psychisch vorgeschädigt sei. "Da sieht man Mädchen, die den ganzen Tag auf ihre Ernährung achten, immer wieder Sport treiben und alle perfekt sind."

 

Betroffene können sich online beraten lassen: Zum Beispiel hier oder hier

Zuletzt geändert am Montag, den 09. Mai 2016 um 11:33 Uhr

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